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MIKROSKOPISCHE KOLITIS

WAS IST EINE MIKROSKOPISCHE KOLITIS?

Bei der mikroskopischen Kolitis kommt es zu einer Entzündung der Dickdarmschleimhaut (Kolitis). Während sich Entzündungen im Darm normalerweise bei der Darmspiegelung in Form von Rötungen oder anderen Entzündungszeichen zeigen, ist dies bei der mikroskopischen Kolitis nicht der Fall. Hier sind die krankhaften Veränderungen nur anhand von Gewebeproben (Biopsien) unter dem Mikroskop zu erkennen, was die Bezeichnung „mikroskopische“ Kolitis erklärt. Da die Erkrankung mit chronischen Entzündungen im Darm einhergeht, wird sie neben Morbus Crohn und Colitis ulcerosa den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zugeordnet.
Es sind zwei verschiedene Krankheitsformen der mikroskopischen Kolitis zu unterscheiden – die kollagene Kolitis und die lymphozytäre Kolitis. Beide Krankheitsbilder sind noch nicht sehr lange bekannt: die kollagene Kolitis wurde erstmals 1976 und die lymphozytäre Kolitis 1980 beschrieben. Sie werden zwar unter dem Oberbegriff mikroskopische Kolitis zusammengefasst, zeigen aber in den Gewebeproben, die dem Darm entnommen werden, ein unterschiedliches mikroskopisches Erscheinungsbild (histologisches Bild). Dabei fällt bei der kollagenen Kolitis ein verdicktes Bindegewebe (Kollagenband) in der Darmschleimhaut auf. Bei der lymphozytären Kolitis wird im Darmgewebe eine erhöhte Anzahl an bestimmten weißen Blutkörperchen, den Lymphozyten, gefunden. Kann das histologische Bild nicht eindeutig einer der beiden Krankheitsformen zugeordnet werden, spricht man von der inkompletten mikroskopischen Kolitis.
Die konkrete Krankheitsursache der mikroskopischen Kolitis ist noch unbekannt. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren die Erkrankung auslösen. Dabei können möglicherweise auch bakterielle oder virale Infektionen sowie die Einnahme bestimmter Medikamente eine Rolle spielen. Es ist ferner bekannt, dass Rauchen ein Risikofaktor für die Entwicklung einer mikroskopischen Kolitis ist.

WER ERKRANKT AN DER MIKROSKOPISCHEN COLITIS?

In Europa erkranken jährlich etwa 5 – 17 Menschen pro 100.000 Einwohner*innen an einer mikroskopischen Kolitis, wobei regionale Schwankungen sehr ausgeprägt sind. Für Deutschland existieren keine genauen Daten zur Inzidenz der mikroskopischen Kolitis. Schätzungsweise gibt es jährlich mehr als 10.000 Neuerkrankungen.
Die tatsächlichen Zahlen sind wahrscheinlich noch höher, da die mikroskopische Kolitis aufgrund der Ähnlichkeit der Beschwerden nicht selten als Reizdarmsyndrom fehlgedeutet wird. Es ist deshalb von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
An einer mikroskopischen Kolitis leiden deutlich mehr Frauen als Männer. Wie es zu dieser Geschlechterverteilung kommt, ist nicht bekannt. Die Erkrankung tritt dabei häufig in der zweiten Lebenshälfte auf.

WELCHE SYMPTOME ZEIGEN SICH?

Das wichtigste Symptom einer mikroskopischen Kolitis sind chronische, wässrige Durchfälle (Diarrhoen), die oftmals von Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Blähungen, Müdigkeit und einem mehr oder weniger ausgeprägten Gewichtsverlust begleitet sind. Typisch ist ferner das Auftreten von Durchfällen auch während der Nacht. Blut und Schleimbeimengungen im Stuhl sind unüblich.

Die Erkrankung kann aufgrund der beschriebenen Symptome die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

GIBT ES TYPISCHE BEGLEITERKRANKUNGEN?

Patient*innen mit einer mikroskopischen Kolitis leiden nicht selten unter Begleiterkrankungen. Hierzu gehören insbesondere Erkrankungen außerhalb des Darms wie zum Beispiel rheumatische Krankheitsbilder, Schuppenflechte, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) sowie Durchblutungsstörungen.

WIE WIRD DIE DIAGNOSE GESICHERT?

Die Symptome einer mikroskopischen Kolitis können den Beschwerden bei einem Reizdarmsyndrom ähneln. Deshalb darf die Diagnose nicht vorschnell gestellt werden – selbst dann nicht, wenn sich bei einer Darmspiegelung keine besonderen Auffälligkeiten ergeben. Vielmehr ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung als Basis für eine effektive Behandlung entscheidend.
Informationen erbringt das Patienten-Arzt-Gespräch. Zu einer ausführlichen Anamnese gehören die Ermittlung der Krankheitsgeschichte des Patienten/der Patientin und die Erfragung der aktuellen Beschwerden, ihre Dauer und Schwere. Im Gespräch zwischen Arzt/Ärztin und Patient*in wird auch geklärt, ob Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien bekannt sind und ob möglicherweise Familienangehörige an einer CED oder einer mikroskopischen Kolitis leiden.

WARUM IST DIE COLOSKOPIE MIT PROBENGEWINNUNG WICHTIG?

Die wichtigste Untersuchung zur Erfassung einer mikroskopischen Kolitis ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Allerdings bestätigt sich die Erkrankung anders als andere chronisch entzündliche Darmerkrankungen nicht durch die alleinige endoskopische Begutachtung der Darmschleimhaut, denn diese erscheint üblicherweise unauffällig. Zur Abklärung der Diagnose werden daher im gesamten Dickdarm Gewebeproben in definiertem Abstand (Stufenbiopsie) aus der Darmschleimhaut entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht.
Bei der kollagenen Kolitis wird bei der Untersuchung der Gewebeproben durch den Pathologen/die Pathologin mittels spezieller Färbemethoden unter dem Mikroskop ein verdicktes Kollagenband sichtbar. Bei den Kollagenfasern handelt es sich um eine bestimmte Eiweißstruktur, die im Körper eine Stützfunktion einnimmt. Während das Kollagenband in der Darmschleimhaut von Gesunden weniger als 5 Mikrometer (Millionstel Meter) dick ist, liegt dieses bei der kollagenen Kolitis in einer Dicke von mindestens 10 Mikrometern vor.
Bei einer lymphozytären Kolitis fällt hingegen im mikroskopischen Bild eine vermehrte Ansammlung von speziellen, weißen Blutzellen auf. Deren Zahl ist im Vergleich zum Gesunden um das Vier- bis Fünffache erhöht.

WELCHE MEDIKAMENTE HELFEN BEI MIKROSKOPISCHER COLITIS?

Liegt eine mikroskopische Kolitis vor, so kann eine zielgerichtete Behandlung eingeleitet werden. Diese hat die Besserung oder möglichst das völlige Verschwinden der Beschwerden zum Ziel und kann so die Lebensqualität der Patientinnen nachhaltig verbessern.
Sehr gute Therapieerfolge werden mit Budesonid erzielt, welches zur Gruppe der Kortikosteroiden (auch als Kortison bekannt) gehört. Budesonid entfaltet seine entzündungshemmende Wirkung lokal im Darm und wird anschließend in der Leber abgebaut. Dadurch zeigt der Wirkstoff eine hohe Wirksamkeit und hat gleichzeitig geringere Nebenwirkungen als klassische, systemisch (im ganzen Körper) verfügbare Kortikosteroide. Der Wirkstoff kann in unterschiedlichen oralen Darreichungsformen (mit spezieller Freisetzung des Wirkstoffes) eingenommen werden. Budesonid ist aktuell als einziger Wirkstoff zur Behandlung der mikroskopischen Kolitis zugelassen.
Studien zufolge führt die Behandlung mit Budesonid in einer Dosierung von 9 mg täglich bei etwa 80 Prozent der Patient
innen nach durchschnittlich 2 Wochen zu einem deutlichen Rückgang der Stuhlfrequenz bis hin zum Verschwinden der Durchfälle (Remission).

IST EINE DAUERTHERAPIE MIT BUDESONID SINNVOLL?

Wird die Medikamenteneinnahme nach Abklingen der Beschwerden beendet, kommt es bei der Mehrzahl der Patient*innen innerhalb weniger Monate zu einem Rückfall und somit zum Wiederauftreten der Symptome. Dann sollte nach Empfehlungen der Leitlinie und nach erneuter Remissionsinduktion mit 9 mg Budesonid, die Einnahme des Wirkstoffes in einer reduzierten Dosis von 3 bis 6 mg täglich beibehalten werden.

HELFEN DIÄT UND NIKOTINVERZICHT?

Eine spezielle Diät ist bei einer mikroskopischen Kolitis nicht einzuhalten. Wichtig ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost, wie sie ganz allgemein von Ernährungsexpertinnen empfohlen wird. Es sollte außerdem geklärt werden, ob neben einer mikroskopischen Kolitis eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) besteht, da diese oft mit einer mikroskopischen Kolitis in Kombination auftritt. Bekannt ist, dass sich Rauchen negativ auf den Verlauf der Erkrankung auswirkt. Patientinnen, bei denen eine mikroskopische Kolitis diagnostiziert wird, sollten deshalb das Rauchen beenden.

WIE IST DER LANGFRISTIGE VERLAUF? BESTEHT EIN KREBSRISIKO?

Bei der mikroskopischen Kolitis handelt es sich nicht um eine lebensbedrohliche Erkrankung, der Verlauf ist in aller Regel gutartig. Allerdings kommt es unbehandelt bei nahezu jeder zweiten betroffenen Person zu chronischen oder immer wieder auftretenden Durchfällen, was die Lebensqualität massiv beeinträchtigt.
Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs besteht bei einer mikroskopischen Kolitis nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.

WO FINDE ICH WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN ZUR MIKROSKOPISCHEN KOLITIS?

Die Firma Falk Pharma hat eine gute Übersicht zur Mikroskopischen Kolitis online eingestellt, die wissenschaftlich korrekt die aktuellen Konzepte zusammenfasst:
https://de.drfalkpharma.com/de/indikationen/mikroskopische-kolitis/
Eine deutsche Leitlinie existiert leider noch nicht, für medizinische Fachexperten empfiehlt sich ein Blick in die 1. Europäische Leitlinie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8259259/

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DIVERTIKEL

Was sind Divertikel?

Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut: An den betroffenen Stellen wölbt sich die Darminnenwand durch die Darmmuskulatur nach außen. Dadurch entstehen meist kleine ballonförmige Ausstülpungen im Darm, in denen sich Stuhl ablagern kann. Divertikel sind oft harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen. Etwas vereinfacht, werden drei Formen unterschieden:

• Divertikulose: Die Darminnenwand wölbt sich an mehreren Stellen nach außen. Die Ausstülpungen bereiten jedoch keine Beschwerden.
• Divertikelkrankheit: Die Ausstülpungen führen zu Beschwerden oder zu Komplikationen.
• Divertikulitis: Die Ausstülpungen sind entzündet.

Divertikel können zu wiederkehrenden oder dauerhaften Beschwerden führen. Dies wird als chronische Divertikelkrankheit bezeichnet. Eine Divertikulitis ist meist gut behandelbar, kann aber ernste Folgen haben, wenn sich die Entzündung ausbreitet.

Wie häufig sind Divertikel?

Viele Menschen haben eine Divertikulose, ohne davon zu wissen. Mit dem Alter werden Divertikel häufiger: Etwa 10 % der Menschen unter 50 haben Divertikel, bei über 70-Jährigen sind es etwa 50 %. Bei Frauen und Männern kommen sie ähnlich häufig vor. Etwa 1 % aller Menschen mit Divertikulose entwickelt innerhalb von zehn Jahren eine Divertikulitis. Die Entzündung kann in jedem Alter auftreten.

Welche Beschwerden verursachen Divertikel?

Die meisten Divertikel machen keine Beschwerden. Eine Divertikelkrankheit äußert sich meist durch Schmerzen im linken Unterbauch, seltener im rechten. Außerdem kann es zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Die Beschwerden verschwinden oft vorübergehend, können aber auch von Dauer sein. Häufig sind sie nach dem Essen stärker, nach dem Stuhlgang dagegen schwächer. Divertikel können manchmal auch bluten.

Bei einer Divertikelentzündung (Divertikulitis) treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf, begleitet von leicht erhöhter Temperatur bis hin zu hohem Fieber. Weitere Anzeichen sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe. Erbrechen ist eher selten. Die Schmerzen können durch die enge Lagebeziehung von Harnblase und Darm auch durch den Füllungszustand der Blase beeinflusst werden. Wenn die Ärztin oder der Arzt auf den Bauch drückt, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an (Abwehrspannung). Beim plötzlichen Loslassen wird der Schmerz stärker.

Welche Probleme bringt eine Divertikulitis?

Divertikel bleiben häufig unbemerkt, solange sie nicht zu Beschwerden führen. Sie können aber chronische Verdauungsbeschwerden und Schmerzen verursachen oder sich entzünden.

Eine Divertikulitis lässt sich meist gut behandeln und heilt dann innerhalb weniger Wochen ab. Etwa 20 % der Betroffenen bekommen in den Jahren danach jedoch mindestens einmal eine erneute Divertikulitis.

Eine Divertikulitis kann zu Komplikationen führen, wenn die Entzündung auf die Darmwand, die Umgebung oder benachbarte Organe übergreift. Es können sich Eiteransammlungen (Abszesse) und Fisteln bilden. Eine Fistel ist eine röhrenartige Verbindung zwischen zwei Organen, zum Beispiel zwischen Darm und Harnblase.

Eine seltene, aber schwere Komplikation ist es, wenn ein Loch in der Darmwand entsteht (Darmdurchbruch oder Darmperforation). Wenn Stuhl in den Bauchraum austritt, kann es zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Sie äußert sich meist durch starke Bauchschmerzen, eine harte Bauchdecke, Fieber, Übelkeit, Herzrasen und allgemeine Schwäche. Bei solchen Anzeichen ist es wichtig, rasch ärztliche Hilfe zu suchen. In diesem Fall einer freien Perforation ist eine sofortige OP unumgänglich.

Bei manchen Menschen entzünden sich Divertikel auch nach einer erfolgreichen Behandlung immer wieder – dann spricht man von einer chronisch-rezidivierenden Divertikulitis. Dadurch können sich vernarbte Verengungen (Stenosen) im Darm bilden, die das Weiterleiten des Stuhls erschweren. Im Extremfall kann ein Darmverschluss (Ileus) die Folge sein. Manche Menschen haben dauerhafte Beschwerden, ohne dass der Darm entzündet ist. Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis am höchsten. Bei wiederkehrenden Entzündungen sinkt das Risiko deutlich. Ihre Folgen sind vor allem chronische Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen und Bauchschmerzen.

Gut zu wissen: Aus Divertikeln entwickelt sich kein Darmkrebs. Dieser entsteht aus Darmpolypen.

Wie schütze ich mich vor einer Divertikulitis?

RISIKO LÄSST SICH HALBIEREN ÜBER GESUNDEN LEBENSSTIL

Gesunde Lebensführung erbringt einen erheblichen Gewinn für Ihre Gesundheit. Welche Maßnahmen sind das im Detail? Durch Studien sind als wirksam bewiesen bei bekannten Divertikeln:

  1. reduzierter Verzehr von rotem Fleisch
  2. vermehrter Verzehr von Ballaststoffen
  3. erhöhte körperlichere Aktivität
  4. Normgewicht
  5. Nikotinabstinenz

Wenn Sie diese 5 Hinweise im Blick behalten, reduziert sich das Risiko für das Auftreten einer Divertikulitis um bis zu 50%. Die aktuelle fachärztliche Leitlinie der DGVS (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) bestärkt mit Studiendaten diesen klaren Erfolg.

Lösen Medikamente eine Divertikulitis aus?

Ja, das Risiko erhöht sich.

Die Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), Kortikosteroiden, Opioiden und postmenopausalen Hormonersatzpräparaten ist mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer Divertikelkrankheit, einer Divertikulitis oder einer komplizierten Divertikulitis assoziiert. Die Leitlinie empfiehlt daher eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Als Schmerzmittel können alternativ Acetylsalicylsäure (ASS) oder Coxibe eingesetzt werden, die nicht mit einem derart erhöhten Risiko für die Divertikelkrankheit assoziiert sind.

Darf ich Nüsse essen bei Divertikeln?

Hier gibt seit vielen Jahren eine falsche Einschätzung, die leider weit verbreitet ist. Viele Betroffene mit Divertikeln meiden körnerreiche Kost, um den Darm zu schonen und vermeintlich Entzündungen vorzubeugen. Das ist falsch. Eine Empfehlung zum Meiden von Nüssen, Körnern, Mais oder Popcorn besteht nicht, große Studien haben diesen Effekt geprüft. Im Gegenteil, einige Daten deuten sogar auf einen schützenden Effekt hin, da Körner das Mikrobiom verbessern und die Beschaffenheit des Stuhles optimieren.

Auch wenn es Sie wundert: Essen Sie Nüsse und Körner, ihr Darm dankt es!

Operieren bei chronischer Divertikulitis?

Bei wiederkehrenden Entzündungen oder chronischen Beschwerden spielen schwere Komplikationen meist keine Rolle. Sie sind zwar möglich, aber eher die Ausnahme, solange die Entzündungen unkompliziert sind – das heißt, wenn sich keine Abszesse gebildet haben. Manchmal können sich infolge wiederholter Entzündungen auch Fisteln (röhrenartige Verbindungen zwischen zwei Organen) oder Verengungen (Stenosen) bilden. Da Fisteln das Risiko für Komplikationen erhöhen, wird in der Regel empfohlen, sie zu operieren. Ob ein Eingriff bei einer Stenose sinnvoll ist, hängt davon ab, wie ausgeprägt die Verengung ist.

In allen anderen Situationen ist das Ziel vor allem, die alltäglichen Beschwerden wie Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme zu lindern. Wie gut dies mithilfe einer Operation im Vergleich zu nicht operativen Behandlungen gelingt, ist erst wenig untersucht. Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass eine Operation die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen besser lindern kann als Medikamente oder eine Ernährungsumstellung. Trotz Operation bleiben die Beschwerden bei manchen Menschen bestehen oder kehren wieder. Bei schätzungsweise 5 bis 25 von 100 Operierten bleiben die Beschwerden bestehen.

Lange Zeit wurde angenommen, dass das Risiko für Komplikationen steigt, je häufiger eine Divertikulitis auftritt. Deshalb rieten vor Jahren Ärztinnen und Ärzte auch nach wiederholten unkomplizierten Entzündungen zu einem Eingriff. Mittlerweile zeigen Studien jedoch das Gegenteil: Bei der ersten Divertikulitis ist das Komplikationsrisiko am höchsten – mit weiteren Schüben sinkt es deutlich. Diese Erkenntnis ist in aktuellen Leitlinien fest verankert, allein die Zahl der abgelaufenen Schübe ist kein Kriterium mehr für eine OP-Entscheidung.

Bis vor einigen Jahren wurde bei einer chronischen Divertikelkrankheit fast immer zu einem Eingriff geraten. Mittlerweile wird in unseren ärztlichen Leitlinien mehr Zurückhaltung empfohlen. Es ist sinnvoll, vor einer Operation andere Behandlungsmöglichkeiten wie Medikamente und eine Ernährungsumstellung auszuschöpfen. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation spielt vor allem eine Rolle, welche alltäglichen Beschwerden man hat. Das Risiko für Divertikulitis-Komplikationen hat nur für bestimmte Menschen eine Bedeutung. Begleiterkrankungen, das Alter und die Lebensumstände sind ebenfalls wichtige Faktoren.

ZÖLIAKIE

Was ist Zöliakie?

Es gibt viele mögliche Gründe für Verdauungsprobleme wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall. Einer davon ist die Zöliakie, auch Glutenunverträglichkeit oder früher auch Sprue genannt. Dabei wird Gluten nicht vertragen, ein in vielen Getreidesorten enthaltenes Eiweiß. Eine Zöliakie kann in jedem Alter auftreten und bleibt dauerhaft bestehen. Sie lässt sich mit einer konsequent glutenfreien Ernährung gut behandeln.

Bei Zöliakie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Bestandteile des Glutens. Schon kleinste Mengen Gluten können dann eine Entzündung der Schleimhaut des Dünndarms auslösen. Zusätzlich richtet sich das Immunsystem direkt gegen die Darmschleimhaut, was die Entzündung verstärkt. Da sich das Immunsystem dabei gegen den eigenen Körper wendet, spricht man von einer Autoimmunreaktion. Diese Reaktion unterscheidet eine Zöliakie von einer Weizenallergie oder einer Weizensensitivität.

Verzehrt man trotz Zöliakie weiter Gluten, kommt es zu einer chronischen Entzündung des Dünndarms. Die Darmschleimhaut verändert sich und es können vielfältige Beschwerden auftreten, nicht nur im Verdauungssystem.

Wird kein Gluten mehr aufgenommen, geht die Entzündung zurück und die Darmschleimhaut erholt sich meist. Die Beschwerden lassen dann nach oder verschwinden ganz. Da viele Lebensmittel Getreidebestandteile enthalten, ist es bei Zöliakie besonders wichtig, bei den Inhaltsstoffen auf Spuren von Gluten zu achten.

Welche Symptome zeigen sich bei Zöliakie?

Selten besteht das Vollbild der Zöliakie mit massivem Gewichtsverlust und Durchfall mit Fettstühlen. Es überwiegen die Verläufe, bei denen nur wenige oder einzelne Symptome auftreten. Man spricht hier von der symptomatischen (mit weniger typischen Symptomen) oder subklinischen (d.h. ohne spürbare Beschwerden) Zöliakie. Ein ungeklärter Eisenmangel ist oft das einzige Symptom, das auf eine Zöliakie hinweist. Bei vielen Patienten liegen auch Symptome an anderen Organen vor, die nicht direkt auf eine Darmerkrankung hinweisen.

Oftmals klagen die Betroffenen eher über unspezifische, also wenig wegweisende Beschwerden. Das können ständige Müdigkeit und Erschöpfung sein, Appetitlosigkeit oder Heißhunger, ständige Blähungen oder gelegentliche Bauchbeschwerden. Das Spektrum der Symptome ist breit und variabel. Daher sollte bei unklaren Symptomen aller Art auch eine Zöliakie als Ursache in Betracht gezogen werden. Dabei weisen viele Personen hauptsächlich Mängel an bestimmten Vitaminen oder Mineralstoffen wie Eisen, Folsäure, Vitamin B12 oder Zink auf.

Wie wird Zöliakie gesichert?

Für die Diagnostik galt lange Zeit eine Gewebeprobe aus dem Duodenum (Zwölffingerdarm) als Goldstandard. In der aktualisierten Leitlinie von 2022 verweisen die Autoren jedoch insbesondere auf die sehr präzise Diagnostik mittels Serologie, also der Blutentnahme.

Es ist möglich im Serum spezifische Antikörper nachzuweisen, die nur bei einer Zöliakie auftreten. Dies sind die sogenannten Transglutaminase-IgA-Antikörper (tTg-IgA), hiermit gelingt bereits die Diagnose Zöliakie. Wir bestimmen initial zusätzlich das IgA in seiner Menge, um einen Mangel dieses Eiweißes auszuschließen, den sogenannten IgA-Mangel.

Der im Serum des Patienten ermittelte Titer, also die Antikörperkonzentration im Serum, erlaubt eine sehr präzise Diagnostik. Wir empfehlen bei Verdacht auf Zöliakie als ersten Schritt die serologische Untersuchung. Im nächsten Schritt, bei einem positiven Befund, führen wir ggfls. dann eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) durch.

Wie wird Zöliakie therapiert?

Nur durch eine lebenslange und ausnahmslose glutenfreie Ernährung regeneriert sich die entzündete und abgeflachte Dünndarmschleimhaut wieder zu ihrer normalen Gestalt und Funktion. Schon bei kleinen Glutenmengen setzt die Entzündung erneut ein. Einzelne Fehler führen nicht sofort zum vollständigen Abflachen der Schleimhaut, sondern aktivieren zunächst diese Entzündungsreaktionen. Treten häufiger Fehler auf, kann sich die Schleimhaut nach und nach wieder abflachen. Solange die glutenfreie Diät strikt eingehalten wird, lebt der Zöliakie-Betroffene in der Regel beschwerdefrei. Es gibt derzeit keine andere Möglichkeit zur Behandlung der Zöliakie. Das heißt, der Betroffene muss seine Ernährung und seine Lebensweise grundlegend umstellen.

Bei einigen Betroffenen treten bereits wenige Tage nach der Ernährungsumstellung Verbesserungen ein. Das Allgemeinbefinden bessert sich und Durchfälle und andere Beschwerden lassen nach. Die Zeit bis zur völligen Beschwerdefreiheit kann jedoch unterschiedlich lang sein, abhängig u.a. vom Schädigungsgrad des Darms, vom Alter des Patienten und von anfänglichen (versteckten) Diätfehlern. Daher dauert es bei vielen Patienten Wochen oder auch Monate, bis sich die Symptome vollständig zurückgebildet haben.

Achtung: Subjektive Beschwerdefreiheit bei Verstoß gegen die Diät bedeutet keineswegs, dass die glutenfreie Ernährung aufgegeben werden darf. Oft treten die spürbaren Beschwerden unter glutenhaltiger Kost sehr spät, manchmal erst nach Jahren wieder auf.

Besteht ein Nährstoffmangel bei Zöliakie?

Da es bei der Zöliakie häufiger zu einer Unterversorgung mit verschiedenen Nährstoffen kommen kann, ist es sinnvoll zu Beginn abzuklären, wo ein erhöhter Bedarf vorliegen könnte. Eisen ist mit das am häufigsten unterversorgte Mineral. Daher ist eine Bestimmung des Speicherwertes (Ferritin) sinnvoll. Ist der Wert erniedrigt, kann von einem Mangel ausgegangen werden. Weiterhin werden im oberen Dünndarm u.a. Folsäure und Zink aufgenommen. Auch diese Werte können untersucht werden. Vitamin B12 ist auch oftmals erniedrigt. Calcium und Vitamin D sind auch sinnvolle Tests, da bei vielen Betroffenen eine Unterversorgung mit entsprechenden Auswirkungen auf die Knochen besteht. Um zu sehen, ob eine Leberbeteiligung besteht, sollten auch die Leberwerte GOT und GPT mitbestimmt werden. Eine Schilddrüsenfehlfunktion kann mit Hilfe des Wertes TSH abgeklärt werden. Je nach weiterer Symptomatik muss man auch an andere Defizite denken und diese testen lassen.

Ist Ernährungsberatung bei Zöliakie wichtig?

Um die Ernährungsumstellung möglichst rasch umsetzten zu können, ist es sinnvoll, sich eine mit Zöliakie vertraute Ernährungsfachkraft zu suchen. Unser Ärzteteam kann hierfür eine Notwendigkeitsbescheinigung ausstellen, so dass Teile davon erstattet werden.

Holen Sie sich wertvolle Tipps bei der Selbsthilfegruppe

Der Beitritt zur DZG (Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V.) unterstützt mit vielen Informationsmaterialien die Ernährungsumstellung und hilft bei der Umsetzung im Alltag. Der Austausch mit erfahrenen Ernährungsfachkräften, regionalen Ansprechpartner*innen, den DZG-Kontaktpersonen sowie anderen Betroffenen leistet wichtige Hilfestellung für viele Alltagssituationen. Regelmäßige Gruppentreffen fördern den Erfahrungsaustausch, verbessern die Therapietreue (das dauerhafte Einhalten der glutenfreien Ernährung) und sichern durch die zahlreichen Angebote nachhaltig den Therapieerfolg. Schauen Sie vorbei auf der Seite https://www.dzg-online.de/

Welche Verlaufskontrollen sind bei Zöliakie nötig?

Um den Krankheitsverlauf zu beobachten, sollten die Betroffenen anfangs etwas engmaschiger untersucht werden als später im Verlauf. Die erste Kontrolluntersuchung sollte nach ca. 6 Monaten stattfinden. Dabei werden vor allem die Zöliakie-Antikörper (z.B. Transglutaminase-IgA) kontrolliert. Diese zeigen in den allermeisten Fällen zu diesem Zeitpunkt bereits eine deutlich rückläufige Tendenz. Dies ist jedoch vom Ausgangswert abhängig. Je höher dieser ist, umso länger dauert es meist, bis die Werte wieder im Normbereich angekommen sind. Viele Labore testen die Antikörperwerte auch nur bis zu einem bestimmten Wert aus (z.B. größer als 200). Da man dann keine genaue Angabe hat, wo der Wert tatsächlich liegt, ist es oft schwer zu sagen, wo er bei einer ersten Kontrolluntersuchung liegen müsste. Manchmal liegt er auch nach 4 Monaten noch über diesem Wert von 200. Das bedeutet nicht zwingend, dass die Diät noch schwere Fehler hat. Einen Rückgang von 5000 auf 1000 würde man wegen der aktuellen Laborverfahren einfach nicht erkennen können. Wenn die Beschwerden deutlich besser geworden sind, kann man die nächste Kontrolle abwarten. Diese sollte dann auch deutlich niedrigere Werte zeigen.

Bei vielen Betroffenen liegt nach einem Jahr der Antikörperwert im Normbereich, das kann aber auch 18 oder 24 Monate dauern. Halbjährliche Untersuchungen bis zur Normalisierung sollten einen kontinuierlichen Rückgang zeigen.

Vorher auffällige Befunde sollten bei diesen Kontrollen ebenfalls im Auge behalten werden. So sollten sich auch erhöhte Leberwerte innerhalb eines Jahres spätestens normalisiert haben, wenn sie im Rahmen der Zöliakie-Erkrankung auffällig waren. Tritt dies nicht ein, muss an eine andere Ursache (z.B. Virushepatitis oder Autoimmunerkrankung) gedacht werden.

Neben den Laboruntersuchungen sollte darauf geachtet werden, dass sich die Beschwerden bessern, Wachstum und (Pubertäts-)Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen altersentsprechend voranschreiten und sich bei allen Betroffenen das Gewicht zufriedenstellend entwickelt. Falls Fragen oder Unsicherheiten bei der glutenfreien Ernährung vorhanden sind, sollte eine erneute Ernährungsberatung angeboten werden. Vor allem Jugendliche sollten hier eher großzügig weitergeleitet werden.

Was ist langfristig bei Zöliakie notwendig?

Bei unkompliziertem Verlauf mit gutem Befinden und sicherer Umsetzung der glutenfreien Ernährung im Alltag ist eine jährliche Kontrolle der Gewebstransglutaminase-Antikörper ausreichend. Erwachsene, die schon einige Jahre mit der glutenfreien Ernährung vertraut sind, können die Kontrollen auch auf jedes 2. Jahr verschieben. Mit Hilfe dieser Tests soll sichergestellt werden, dass sich nicht unbemerkt Diätfehler einschleichen. Sie geben aber auch eine gute Rückmeldung an die Betroffenen, dass sie die Diät gut umsetzen und bestärken sie in der Einhaltung.

Magenspiegelungen meist nicht erforderlich

Magenspiegelungen werden zwar oft angeboten, sind aber bei einem unkomplizierten Verlauf meist nicht notwendig. Die aktuelle Leitlinie sieht bei stark erhöhten Antikörpern und typischen Beschwerden keine Magenspiegelung zur Diagnosesicherung vor. Sie sollten bei anhaltenden Beschwerden, bei unsicherer Diagnose und falls anfangs keine Antikörper nachweisbar waren durchgeführt werden. Dabei sollte auf einen ausreichend langen Abstand zur Diagnosestellung geachtet werden, da die Schleimhautveränderungen oftmals eher länger benötigen, um sich zurückzubilden. Daher sollte die Untersuchung frühestens nach einem Jahr, besser erst nach 2 Jahren stattfinden, wenn sie notwendig erscheint.

Laborwerte, die immer wieder auffällig sind, sollte bei diesen Verlaufskontrollen auch getestet werden. Aber man muss nicht jedes Jahr jeden Wert untersuchen lassen. Treten neue Beschwerden auf, muss man aber immer auch überlegen, ob ein Nährstoffmangel dahinterstecken kann.

Enthalten Medikamente Gluten?

Die Dachorganisation der europäischen Zöliakiegesellschaften AOECS (Association of European Coeliac Societies) hat ein Statement hinsichtlich des Glutengehalts in Arzneimitteln veröffentlicht, nach dem alle Medikamente als glutenfrei und damit unbedenklich anzusehen sind.

In einigen wenigen Medikamenten wird Weizenstärke z.B. als Tablettengrundlage eingesetzt. Ist Weizenstärke enthalten, muss dies vom Hersteller explizit angegeben werden. Arzneimittel, die ohne Weizenstärke als Hilfsstoff hergestellt werden, sind ohne Bedenken als glutenfrei anzusehen. Die Menge an Gluten, die man über Weizenstärke in Medikamente aufnehmen könnte, ist tatsächlich so gering, dass sie im Alltag vernachlässigt werden kann.

Wo bekomme ich weitere Informationen zur Zöliakie?

Um mit der Erkrankung und einer veränderten Ernährung gut zurecht zu kommen, ist es für alle Betroffenen wichtig, sich so gut wie möglich mit Erkrankung und Ernährung auszukennen und Hintergrundwissen zu erhalten. Dazu sind Schulungen und ein Informationsaustausch wie die DZG dies anbietet z.B. Schulungen für Neubetroffene, Veranstaltungen und Treffen der regionalen Gesprächsgruppen für Zöliakie wichtige Bestandteile. Auch online gibt es Angebote der DZG oder wie z.B. ein im Rahmen eines EU-Projektes entwickelten Lernprogramms. Dieses kann man abrufen unter:

https://www.zoeliakie-verstehen.de

Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. unterstützt mit vielen Informationsmaterialien die Ernährungsumstellung und hilft bei der Umsetzung im Alltag. Der Austausch mit erfahrenen Ernährungsfachkräften, regionalen Ansprechpartner*innen, den DZG-Kontaktpersonen sowie anderen Betroffenen leistet wichtige Hilfestellung für viele Alltagssituationen:

https://www.dzg-online.de

Gut lesbare Informationen hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu verschiedenen Gesundheitsthemen wissenschaftlich fundiert zusammengestellt, auch zum Thema Zöliakie:

https://www.gesundheitsinformation.de/zoeliakie-glutenunvertraeglichkeit.html

Wer sich inhaltlich schon intensiv eingearbeitet hat und medizinisch vorgebildet ist, dem sei die ausführliche aktuelle Leitlinie der DGVS empfohlen, sie richtet sich primär an Fachärzte:

https://www.dgvs.de/leitlinien/oberer-gi-trakt/zoeliakie/

Schreiben Sie uns Ihr Anliegen, wir kontaktieren Sie.

Refluxkrankheit

Wodurch entsteht eine Refluxkrankheit?

Eine Refluxkrankheit entsteht, wenn die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre häufig mit zu viel Säure belastet wird und die Schleimhaut nicht genug Zeit hat, sich zu erholen.

Diese Faktoren begünstigen die Entstehung einer Refluxkrankheit:

erhöhter Druck auf den Magen: Adipositas sowie ein starker Bauchumfang sind Risikofaktoren für eine Refluxkrankheit. Auch bei fortgeschrittener Schwangerschaft begünstigen Druck auf den Magen und hormonelle Veränderungen saures Aufstoßen.

Zwerchfellbruch: Das Zwerchfell trennt Brust- und Bauchraum. Die Speiseröhre mündet durch eine schmale Lücke in dieser Muskelplatte in den Magen. Bei einem Zwerchfellbruch rutscht der Magen etwas nach oben in den Brustraum. Dann kann das Zwerchfell den Muskelverschluss am Mageneingang nicht mehr unterstützen.

Schwäche des muskulären Verschlusses des Mageneingangs: Die Auslöser dafür sind oft unklar. Begünstigend können einige Medikamente, bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke sowie Rauchen wirken.

Medikamente, etwa bestimmte Wirkstoffe gegen Bluthochdruck, einige Antidepressiva sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel können den muskulären Verschluss des Mageneingangs schwächen und so den Reflux von Mageninhalt begünstigen.

Außerdem sehen wir Ärzte, dass Stress, Rauchen, Alkohol sowie fett- und zuckerreiche Speisen, aber auch Schokolade, Pfefferminz oder Koffein eine Refluxkrankheit begünstigen oder verstärken können. Beobachten Sie Ihren Körper selbst auf auslösende Faktoren, sicher können Sie nach kurzer Selbstkontrolle welche benennen.

Was definiert die Refluxerkrankung (GERD)?

Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) liegt vor, wenn Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre belästigende Symptome und/oder Veränderungen in der Speiseröhre hervorruft.

Diese seit 2006 gültige internationale Definition wird auch in der aktualisierten deutschen Leitlinie übernommen. Es müssen typische Refluxsymptome (Sodbrennen, saures Aufstoßen, Regurgitation) oder - als besonderes Symptom Brustschmerzen, die an eine Angina pectoris erinnern - bzw. refluxtypische Läsionen vorliegen. Darüber hinaus muss der Nachweis erbracht werden, dass die Symptome und Läsionen tatsächlich durch Reflux von Mageninhalt hervorgerufen wurden. Hierzu stellt die Leitlinie den hochdosierten Einsatz von Säureblockern ganz an den Anfang der Behandlung, um den Einfluss der Säureblockade auf die individuell bestehenden Beschwerden diagnostisch zu nutzen.

Wie kann ich Refluxbeschwerden nachhaltig bessern?

In Studien zu Refluxbeschwerden haben sich zwei Maßnahmen als besonders wirksam erwiesen:

  1. eine Gewichtsreduktion bei Menschen, die Übergewicht haben oder an Adipositas leiden und
  2. eine Erhöhung des Kopfendes am Bett bei nächtlichem Sodbrennen, Husten und Heiserkeit. Dazu legen Betroffene entweder einen Keil unter die Matratze oder stellen auf der Kopfseite die Füße des Bettes höher. Es reicht meist nicht aus, den Kopf nur mit Kissen zu erhöhen.

Die weiteren Tipps können ebenfalls Linderung erbringen:

Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten ist hilfreich. Allerdings gibt keine allgemeingültigen Empfehlungen. Betroffene müssen selbst ausprobieren, was ihre Beschwerden lindert. Einige Tipps, was Sie tun können:

Verzichten Sie auf Tabak und Alkohol, da beide den Schließmuskeldruck am Mageneingang senken und Rauchen zusätzlich noch den Speichelfluss verringert.

Meiden Sie Refluxauslöser (etwa Koffein, kohlensäurehaltige Getränke, Pfefferminze, Schokolade, scharfe oder fettige Lebensmittel).

Essen Sie zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr.

Verzichten Sie auf am Bauch eng anliegende Kleidung.

Machen Sie Bauchatmungsübungen, diese können durch das Zwerchfelltraining die Beschwerden ebenfalls lindern.

Regen Sie den Speichelfluss durch Kaugummikauen an.

Welche Medikamente helfen bei Reflux?

Zur medikamentösen Behandlung einer Refluxkrankheit stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, unter anderem aus folgenden Gruppen:

Alginate bilden im Magen eine zähflüssige Masse, die auf dem Mageninhalt schwimmt und mechanisch den Rückfluss von Mageninhalt bremsen soll. Sie kommen bei leichten Symptomen oder ergänzend in Kombination mit anderen Wirkstoffgruppen zum Einsatz. Wir empfehlen sie in der Praxis häufig, sie bieten einen raschen Effekt und sind auch gut kombinierbar mit Protonenpumpeninhibitoren.

H2-Rezeptorblocker verhindern, dass größere Mengen an Magensaft ausgeschüttet werden, indem sie die Bindung des Hormons Histamin im Magen blockieren. Studien zeigen, dass diese Mittel Refluxbeschwerden lindern können. Die Wirksamkeit ist jedoch begrenzt, sie sind deutlich schwächer als PPI. Sollte Ihnen mit einem H2-Blocker gut geholfen sein, können Sie bei diesem Medikament bleiben.

Protonenpumpenhemmer (PPI) unterdrücken die Ausschüttung von Magensaft, indem sie ein daran beteiligtes Enzym hemmen. Sie sind noch wirksamer als die oben genannten Wirkstoffgruppen und werden daher bei starken Beschwerden meist zuerst eingesetzt. Die Leitlinie nennt Esomeprazol 40 mg als wirksamstes Präparat aus dieses Substanzgruppe.

Mögliche Kombinationspartner zu PPI sind:

Alginat (Elimination Acid Pocket- + Schleimhautschutz), diese Produkte bewirken die beste Unterstützung in der Kombination und werden in unserer Praxis sehr häufig empfohlen

Baclofen (Tonisierung Mageneingang - Reduzierung Refluxepisoden), leitlinienkonform, aber wenig eingesetzt

Chondroitinsulfat - Hyaluronsäure (Schleimhautprotektion), ebenfalls wenig eingesetzt, könnte in schwierigen Fällen als Therapieversuch ausprobiert werden.

Schmerzmodulatoren (TCA, SSRI, SNRI) - Modulation der ösophagealen Empfindung. Sie sind in der Therapie von Refluxschmerzen nicht als Antidepressivum verordnet, wir Gastroenterologen dosieren mit diesen Substanzen auf das Schmerzsystem zielend in geringen Wirkstärken, die eine Depression nicht sinnvoll verändern würde. Wissenschaftlich belegt sind die genannten Substanzen gut auch in geringen Mengen geeignet, das Schmerzempfinden von inneren Organen positiv zu verändern.

Wie wird eine Refluxkrankheit behandelt?

In leichten Fällen reicht es aus, Lebensstil und Ernährung umzustellen. Bei Bedarf ergänzen wir die Therapie durch Antireflux-Medikamente und steigern Dosis und Wirkstärke. Eine Endoskopie im Sinne einer Magenspiegelung ist bei typischen Beschwerden und gutem Ansprechen auf eine Medikation nicht nötig.

Über längere Zeit bestehende oder die Lebensqualität beeinträchtigende Reflux-Beschwerden sollten Sie ärztlich abklären – vor allem, wenn Schluckbeschwerden, unbeabsichtigter Gewichtsverlust, blutiges Erbrechen oder Stuhlgang mit schwarzen Verfärbungen hinzukommen.

Wie eine Refluxkrankheit behandelt wird, hängt von der Häufigkeit und Stärke der Beschwerden ab. Entscheidend ist auch, ob es Hinweise auf eine erosive Speiseröhrenentzündung, einen Barrett-Ösophagus, oder andere Risikofaktoren oder Alarmsymptome gibt.

Wenn Beschwerden stärker werden oder es Komplikationen gibt, versuchen wir, die Symptome schnell zu lindern – mithilfe stärkerer Medikamente in höherer Dosierung. Später können Betroffene die Dosis schrittweise reduzierten, bis die Beschwerden abklingen.

Benötigen Refluxbeschwerden eine Magenspiegelung zur Diagnosestellung?

Primär nein. Die aktuelle deutsche Leitlinie der DGVS aus dem Jahr 2023 legt sich hier fest. Reflux ist häufig und meist harmlos. Gelingt mit Allgemeinmaßnahmen und medikamentöser Symptomtherapie nach 8 Wochen keine Besserung, so wird zunächst eine Dosissteigerung des wirksamen Säureblockers (z.B. Esomeprazol 2 mal 40 mg) über weitere 8 Wochen Dauer durchgeführt. Ist dann eine genügende Symptomkontrolle erreicht, so ist leitliniengerecht keine Endoskopie erforderlich.

Sollte eine Refluxkrankheit endoskopisch kontrolliert werden?

Nein, eine Kontrolluntersuchung ist meist nicht nötig. Der häufigste Grund für Reflux ist eine axiale Hiatushernie, also ein fehlender muskulärer Verschluss des Mageneinganges. Hier helfen nur Allgemeinmaßnahmen wie deutliche Gewichtsreduktion bei Adipositas, Anpassung der Mahlzeiten oder auch eine Fundoplicatio, also laparoskopische Korrektur des Mageneinganges. Eine Kontrolluntersuchung durch Magenspiegelung bringt meist keine neuen Erkenntnisse und ist entbehrlich.

Wann hilft eine Antireflux-Operation?

Gerade bei PPI-refraktärem Sodbrennen und gesicherter Refluxerkrankung ist eine Antireflux-Op. (Fundoplicatio) allen medikamentösen Therapieoptionen (bis hin zur Tripeltherapie) überlegen.

Vor jeder Antireflux-Intervention muss die Diagnose einer GERD per se und als Ursache der Symptome (Assoziation von Symptomen mit Refluxereignissen in der Impedanz-pH-Metrie) gesichert und eine Kontraindikation (z. B. Achalasie, eosinophile Ösophagitis) definitiv ausgeschlossen sein.

Eine Antireflux-Op., speziell eine Fundoplicatio, kann auch nach erfolgter OP Probleme bringen. Es sind einerseits postoperative Themen wie Dysphagie (Schluckstörungen), Gasbloat-Syndrom (Völlegefühl und Blähungen) sowie Diarrhö (Durchfall), andererseits Rezidive im Verlauf mit erneut notwendiger medikamentöser Therapie. Von Bedeutung für den Erfolg ist die operative Erfahrung: Nur von jemanden, der diese Op. oft genug macht, wird man auch gute Ergebnisse erwarten können. Standard ist weiterhin die Fundoplicatio in ihren unterschiedlichen Varianten.

Aufgrund der möglichen Nachteile der klassischen Antirefluxchirurgie geht die Suche nach Alternativen unaufhörlich weiter. Aktuell können in ausgewählten Fällen endoskopische Verfahren (im Rahmen der Magenspiegelung) als sog. Endoplicatio (GERD-X) angeboten werden. Operativ wurden und werden Verfahren wie die Rekonstruktion mit Fixierung des Situs (RefluxStop), die Implantation eines Magnetrings (Linx) in entsprechenden Zentren eingesetzt bzw. evaluiert. Allen Verfahren ist gemeinsam, dass v. a. die langfristige Erfahrung noch begrenzt ist und randomisierte Studien zum operativen Goldstandard bisher nicht vorliegen.

Es bleibt dabei: gerade bei PPI-refraktärem Sodbrennen und gesicherter Refluxerkrankung ist eine Antireflux-OP (Fundoplicatio) allen medikamentösen Therapieoptionen (bis hin zur Tripeltherapie) überlegen.

Entsteht chronischer Husten, Asthma und Kehlkopfentzündung durch Reflux?

Die aktuelle Leitlinie zum Reflux aus dem Jahr 2023 geht sehr ausführlich zu diesem Thema ein und sieht kaum ursächliche Zusammenhänge.

Zusammengefasst bilden 2 Aussagen der Leitlinie den Kern: 1. Halsbeschwerden sind sehr, sehr selten durch Reflux ausgelöst. 2. Die Magenspiegelung steht nicht sinnvoll im Vordergrund der Diagnostik, sondern ein konsequenter Therapieversuch mit hochdosierten Säureblockern (PPI) über 12 Wochen.

Es folgt hier ein Einschub für Experten. Medizinisch ausgebildete Personen finden in der aktuellen Experten-Empfehlung der Leitlinie für Gastroenterologen DGVS Detailangaben:

„Bei Vorhandensein dieser in der hausärztlichen und fachärztlichen Praxis extrem häufigen Probleme sollte – nach Ausschluss anderer Ursachen – und insbesondere bei Koexistenz typischer Refluxsymptome im Einzelfall eine Refluxgenese erwogen werden, wenngleich ein kausaler Zusammenhang vermutlich viel seltener ist als bisher angenommen. Bei Verdacht auf eine „etablierte extraösophageale Manifestation“ (Husten, Asthma, Laryngitis, dentale Erosionen) einer bekannten, vermuteten oder in Betracht gezogenen GERD empfiehlt sich bei Erwachsenen ... im ersten Schritt eine hochdosierte PPI-Therapie über bis zu 12 Wochen. Diese Empfehlung begründet sich durch Studien, die einen Effekt über Plazebo gezeigt haben. Es empfiehlt sich auch einen PPI auszuwählen, bei dem mit hoher Wahrscheinlichkeit eine adäquate Säurekontrolle im Magen gelingt (z. B. 2 × 40 mg Esomeprazol)“

https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2023/09/LL-Reflux_Leitlinie_ZfG_final_24.05.23.pdf.pdf

Laktoseintoleranz

Was ist eine Laktoseintoleranz?

Nach dem Genuss von Milch und milchzuckerhaltigen Produkten plagen viele Menschen Verdauungsprobleme wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall. Wer Milchprodukte schwer verdauen kann, verträgt Milchzucker (Laktose) womöglich nur in kleinen Mengen. Fachleute sprechen dann von Laktoseintoleranz.

Wenn jemand empfindlich auf Milch reagiert, könnte aber auch ein anderes Problem dahinterstecken. Bevor man sich dazu entschließt, seine Ernährung grundlegend zu verändern, ist es deshalb wichtig, dass die richtige Diagnose gestellt wird. Dies gilt vor allem für Kinder, Jugendliche und Personen mit einem erhöhten Kalziumbedarf.

Laktoseintoleranz, auch Milchzucker-Unverträglichkeit genannt, ist keine Allergie. Beides voneinander zu unterscheiden, ist wichtig: Bei einer Milchallergie reagiert der Körper selbst auf geringste Mengen von Milch oder Milchprodukten. Menschen mit Laktoseintoleranz dagegen vertragen bestimmte Mengen an Milchzucker, ohne Beschwerden zu bekommen.

Welche Beschwerden sind typisch?

Zu den Symptomen einer Laktoseintoleranz gehören:

ein aufgeblähter Bauch, Völlegefühl, Unterbauchschmerzen, starke Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, manchmal auch Verstopfung

Die Beschwerden treten frühestens eine halbe Stunde nach dem Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln auf. Am stärksten sind sie nach etwa 1,5 bis 2 Stunden, sie können aber auch länger andauern.

Was ist die Ursache der Intoleranz?

Eine Laktoseintoleranz ist meist erblich bedingt. Deshalb wird auch von einer vererbten oder primären Laktoseintoleranz gesprochen.

Im Säuglingsalter ist der Körper darauf eingestellt, nur von Muttermilch zu leben. Um sie zu verarbeiten, produzieren Säuglinge das Enzym Laktase. Es spaltet den Milchzucker im Darm so auf, dass der Körper ihn weiterverwenden kann.

Wie funktioniert die Milchverdauung?

Wenn ein Kind von der Milch entwöhnt wird, stellt sich das Verdauungssystem allmählich auf die Verarbeitung anderer Nahrungsmittel um. Der Körper produziert danach weniger Laktase. Bei manchen Menschen reicht die Laktasemenge dann nicht mehr aus, um den über Lebensmittel aufgenommenen Milchzucker zu spalten. Sie vertragen milchzuckerhaltige Produkte deshalb schlechter als andere.

Nimmt ein Erwachsener mehr Milchzucker auf, als die Laktase spalten kann, bleibt Milchzucker im Darm übrig. Er gelangt in den Dickdarm, wo er von Darmbakterien zersetzt wird (sogenannte Vergärung). Dabei entstehen vermehrt Gas und andere Abbauprodukte im Darm, die zu den Beschwerden führen.

Welche Erkrankungen verursachen Lactoseintoleranz?

Eine Laktoseintoleranz kann auch durch eine andere Erkrankungen entstehen. Ursachen können zum Beispiel chronische Entzündungen wie bei Morbus Crohn oder Verletzungen der Darmschleimhaut sein. Fachleute nennen dies erworbene oder sekundäre Laktoseintoleranz. Dann bildet der Dünndarm nicht mehr ausreichend Laktase, weil die Darmschleimhaut geschädigt ist. Dies kann über Laboranalysen und endoskopisch geklärt werden.

Wie häufig ist die Laktoseintoleranz?

Eine Laktoseintoleranz ist bei Kindern unter fünf Jahren sehr selten. Meist entwickelt sie sich im Jugend- und Erwachsenenalter. Weltweit ist die Laktoseintoleranz sehr verbreitet, wobei es je nach Region und Bevölkerung deutliche Unterschiede gibt.

Etwa 5 bis 15 % der Menschen aus Europa vertragen keinen Milchzucker. Am seltensten ist die Laktoseintoleranz in Nordeuropa. In Afrika oder Ostasien sind dagegen 65 bis über 90 % der Erwachsenen betroffen.

Diese regionalen Unterschiede haben vermutlich mit einer langen Tradition der Milchwirtschaft zu tun: In vielen europäischen Ländern werden seit jeher sehr viele Milchprodukte verzehrt. Menschen, die diese gut vertrugen, hatten einen Überlebensvorteil.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Folgende Tests kommen infrage:

Diät- oder Auslassungstest: Dabei verzichtet man für eine gewisse Zeit auf milchzuckerhaltige Produkte und nimmt danach eine bestimmte Menge Milchzucker zu sich. Anschließend wird die körperliche Reaktion beobachtet.

Laktase-Schnelltest aus Gewebeprobe: Im Rahmen einer Magenspiegelung kann eine kleine Gewebeprobe aus dem Zwölffingerdarm entnommen werden, im eigenen Labor erfolgt dann in unserer Praxis die sofortige Analyse auf Laktoseintoleranz, Sie haben das Ergebnis nach 20 min. Als Selbstzahlerleistung bieten wir Ihnen diesen Test in unserer Praxis an.

Atemtest: Nach Trinken einer Milchzucker-Lösung wird der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen. Dieser ist bei einer Milchzucker-Unverträglichkeit meist erhöht. Seit der Coronapandemie wird auf diesen Test mit großem Atemvolumen und Aerosolbildung in unserer Praxis bewusst verzichtet.

Laktose-Toleranz-Test: Der Blutzuckerspiegel wird vor und mehrmals nach dem Trinken einer Milchzuckerlösung gemessen. So zeigt sich, ob der Körper Milchzucker spalten und aufnehmen kann. Dieser Test bringt nur eine geringe Aussagekraft

Für die Diagnose reichen die Messwerte allein aber nicht aus: Nur wenn während der Tests typische Beschwerden auftreten, lässt sich sicher feststellen, ob eine Laktoseintoleranz die Ursache ist.

Wie erfolgt die Behandlung?

Vor der Behandlung ist es wichtig zu klären, ob die Laktoseintoleranz vererbt oder erworben ist. Denn bei einer erworbenen Laktoseintoleranz verursacht eine andere Erkrankung die Beschwerden. Wenn diese Erkrankung behandelt wird und die Darmschleimhaut sich erholt, verschwinden auch die Beschwerden wieder.

Wer eine vererbte Laktoseintoleranz hat, kann mit einer angepassten Ernährung beschwerdefrei leben. Bisherige Forschungsergebnisse zeigen: Laktose nur in begrenzter Menge und Milch nur gleichzeitig mit anderen Lebensmitteln zu sich zu nehmen, ist der beste bekannte Weg, um Beschwerden zu verringern. Eine Behandlung, mit der eine Laktoseintoleranz geheilt werden kann, gibt es nicht.

Um Beschwerden vorzubeugen, nehmen manche Menschen Präparate mit künstlich hergestellter Laktase ein (Laktase-Tabletten oder -Kapseln). Sie sollen dem Darm helfen, die Laktose aufzuspalten und dadurch auch größere Mengen Milchzucker verträglich zu machen. Bisher ist aber nicht durch aussagekräftige Studien nachgewiesen, dass sie die typischen Beschwerden lindern können. Unklar ist auch, ob prä- oder probiotische Mittel wirken.

Wie sollte ich mich ernähren bei Laktoseintoleranz?

Milchprodukte sind nicht unbedingt notwendig, um sich ausgewogen zu ernähren. Wichtig ist aber, ausreichend Kalzium zu sich zu nehmen. Viel Kalzium enthalten zum Beispiel grüne Gemüsesorten wie Spinat und Grünkohl oder kalziumhaltige Mineralwässer. Auch gereifte Käsesorten wie Parmesan und alter Gouda enthalten kaum Milchzucker und sind gute Kalziumlieferanten. Viele Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen sie gut.

Es ist meist nicht nötig, ganz auf milchzuckerhaltige Lebensmittel zu verzichten. Folgende Mengen sind normalweise gut verträglich – vor allem, wenn sie zusammen mit einer Mahlzeit oder anderen Lebensmitteln verzehrt werden: bis zu 12 g Laktose auf einmal (zum Beispiel 250 ml Milch), bis zu 24 g Laktose über den Tag verteilt (zum Beispiel 500 ml Milch).